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Minimalismus und UX-Design

Sorgen klare Strukturen und viel Leerraum für ein positives Nutzererlebnis?

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Minimalismus in der Kunst ist klar und einfach

Minimalismus ist seit Jahren ein Trend. Sowohl in privaten Haushalten als auch im Design hat die einfache, klare und funktionelle Stilrichtung Einzug erhalten. Befürworter wollen mit ihr unter anderem das Grundrauschen reduzieren und den Blick für das Wesentliche ermöglichen. Doch was ist, wenn uns der Fokus auf das Wesentliche, die Freude am eigentlichen Produkt nimmt? Wirkt sich ein minimalistischer Designstil positiv oder negativ auf das Nutzererlebnis aus? In diesem Artikel erfährst du es.

 

Was ist Minimalismus?

Das Wort Minimalismus bezeichnet laut dem Duden „eine bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste“. Diese bewusste Konzentration auf das Wesentliche findet in vielen Lebensbereichen Anwendung. So kann beispielsweise Musik, Architektur, Musik und Literatur oder eben auch Design minimalistisch sein.


Die typischen Merkmale eines minimalistischen Designs sind unter anderem:

  • Einfachheit
  • Klarheit
  • Großer Freiraum (Leerraum, negativer Raum)
  • Wenig bis gar keine dekorativen Elemente
  • Konzentration auf Kerndetails
  • Eine hohe Funktionalität von Elementen

Entwicklung des Minimalismus im Webdesign

Seinen Ursprung in der Kunst hat der Minimalismus bereits in den 1960er Jahren. Damals war er eine Gegenbewegung zu den abstrakten und chaotischen Werken des Expressionismus. Im Webdesign hingegen erhielt der Minimalismus erst Ende des 20. Jahrhunderts Einzug. So stellte Edward Tufte 1983 ein Konzept für das Verhältnis von Tintenmenge und Informationen (Data-Ink Ratio) zusammen und 1990 untersuchte John M. Carroll technische Schulungshandbücher auf ihre Nutzerfreundlichkeit. Im Jahr 1995 wurde dann das minimalistische Design in die 10 Heuristiken für das Interface Design von Jakob Nielsen aufgenommen.

 

Google Suchmaschine - Pionier für minimalistisches Webdesign
Das Google-Interface gilt als ein Vorreiter für minimalistisches Webdesign

Seit den 2000er nahm der Trend des minimalistischen Webdesigns langsam Fahrt auf, indem unter anderem Google eine minimalistische Nutzeroberfläche kreierte. Google gilt somit als eine Art Vorreiter im Bereich minimalistisches Webdesign. Mit dem Aufkommen des Responsive Webdesigns im Jahr 2010 entdeckte auch die breite Masse die Vorteile des Minimalismus für sich und reduzierte Elemente und Inhalte in ihrer Webpräsenz. Vor allem Apple und Microsoft führten diesen Trend an, welcher spätestens im Jahr 2015 in zahlreichen Online-Shops und Webseiten wiederzufinden war. Heutzutage ist der Minimalismus aus dem Webdesign nicht mehr wegzudenken und kommt unter anderem in Form von Flat Design, Responsive Webdesign, Brutalismus oder Clean Design zum Ausdruck.

 

Ziel eines minimalistischen UI- und UX-Designs

Das Ziel eines minimalistischen Webdesigns ist es, die Inhalte und Funktionen so einfach und direkt wie möglich zu gestalten. Auf diese Weise findet wenig Ablenkung statt und die Aufmerksamkeit des Users wird fokussiert. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss, Inhalte und Funktionen zu entfernen, die nicht dem Hauptziel der Nutzeroberfläche dienen. Damit ist ein minimalistisches Webdesign eine Gegenbewegung zum maximalistischen UI-Design, welches mit Flash-Intros, Animationen und zu vielen Funktionen tendenziell für Zerstreuung beim User sorgt.

 

Minimalismus im Webdesign – Daran erkennst du ihn

An welchen Merkmalen man ein minimalistisches Webdesign erkennt, ist nicht endgültig geklärt. Allerdings hat die NNGroup 2015 eine Studie herausgebracht, in welcher 122 minimalistische Websites auf ihre Gemeinsamkeiten hin untersucht wurden. Sobald ein Feature bei 75 % der analysierten Websites auftrat, wurde es in dem Merkmalkatalog aufgenommen.

  • Flache Muster und Strukturen
  • limitierte oder einfarbige Farbpalette
  • Eingeschränkte Funktionen/Elemente
  • Großer negativer Raum (Leerraum)
  • Dramatischer Einsatz von Typographie

Andere Features haben es wiederum nicht in diesen Katalog geschafft, werden jedoch häufig in Zusammenhang mit diesen genannt.

  • Große Hintergrundbilder/ -videos
  • Rasterlayouts
  • Runde Grafikelemente
  • Versteckte Hauptnavigation

 


Ist Minimalismus gut für den User?

Infografik - Ist Minimalismus im Web gut für den User?

Minimalismus kann sich sowohl positiv als auch negativ auf das Nutzererlebnis auswirken. Manche Designer verstehen Minimalismus als eine rein visuelle Strategie und entfernen beziehungsweise verbergen in diesem Zusammenhang wichtige Elemente und Funktionen. Darunter leidet wiederum die Usability und die Komplexität erhöht sich. Von daher ist es auch beim minimalistischen Webdesign wichtig, nicht über die Stränge zu schlagen und präzise auf die Nützlichkeit der Inhalte zu achten. Frage dich daher bei jedem Element: Würde dessen Entfernen die Hauptaufgabe für den Nutzer unnötig verkomplizieren?


Bei richtiger Anwendung jedoch kann Minimalismus ein effizientes Nutzererlebnis schaffen. Nicht umsonst ist eine der Heuristiken von Nielsen, auf ein ästhetisches und minimalistisches Design zu achten. Auch Steve Krug betont in seinem Bestseller „Don’t make me think!“ immer wieder, dass das sogenannte Grundrauschen reduziert werden müsse. Wenn du unwichtige Inhalte entfernst, müssen Benutzer letzten Endes weniger verarbeiten und eine Informationsüberlastung findet nicht statt. Darüber hinaus kann ein minimalistisches Design durch seine Unkompliziertheit für eine ästhetische Zufriedenheit sorgen. Letztere wiederum ist für eine positive User Experience mitverantwortlich. Außerdem unterstützt der Minimalismus auf Websites eine schnelle Handlung, sodass der Nutzer schneller an sein Ziel gelangt.

Vorteile und Nachteile vom Minimalismus im UI- und UX-Design

Jens Jacobsen betont auf seiner Seite benutzerfreun.de, dass der Weg zu einer minimalistischen Website schwierig sein kann. Deren Umsetzung erfordere Mut und Ausdauer sowie die richtigen Argumente. Damit du im richtigen Moment die passenden Argumente zur Hand hast, findest du hier die Vor- und Nachteile eines minimalistischen Webdesigns auf einen Blick.

 

Vorteile

  • mehr Übersichtlichkeit
  • geringere Informationsdichte (keine Informationsüberlastung)
  • Nutzer gelangt schneller ans Ziel
  • Aufwand für den Nutzer verringert sich (weniger lesen, weniger suchen, weniger auswählen)
  • Geringere Ladezeit

 

Nachteile

  • höherer Arbeitsaufwand (genaue Analyse der User und deren Bedürfnisse)
  • engere Zusammenarbeit von Konzeptern, Designern, Technikern und Content-Strategen ist erforderlich
  • Die Gefahr, wichtige Inhalte und Funktionen zu entfernen

Meine bisherige Erfahrung

Meine bisherige Erfahrung bezüglich minimalistischem Webdesign beschränkt sich auf diesen Blog. Ich habe bei der Gestaltung bewusst auf ein minimalistisches Konzept geachtet, da ich es persönlich nicht mag, wenn zu viel „Schnickschnack“ vom Wesentlichen ablenkt. Als ich die oben erwähnten Merkmale für ein minimalistisches Webdesign durchgegangen bin, konnte ich feststellen, dass How-to-UX zumindest in Teilen minimalistisch ist.

 

   Flache Muster und Strukturen

   Limitierte Farbpalette

   Eingeschränkte Funktionen

    Viel Leerraum

 

Fazit

Minimalismus kann für das Webdesign ein echter Segen sein. Allerdings ist der Grat zwischen unnötigem Schnickschnack, Nützlichkeit und dem Weglassen sehr schmal, sodass mehr Aufwand und Aufmerksamkeit bei der Websitekonzeption gefragt ist. Dementsprechend muss jeder selbst wissen, ob er bereit ist, diesen Weg einzuschlagen. Bist du bereit das Risiko einer zu geringen Informationsdichte einzugehen, um dafür ein besseres Nutzererlebnis zu erhalten? Willst du, dass deine User schneller an ihr Ziel gelangen? Dann fang noch heute an, unwichtige Elemente von deiner Website zu entfernen. Es lohnt sich.

 

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