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Nutzerfreundlich Schreiben

Die Kunst des lesbaren Textens

Lesezeit: ca. 5-10 Minuten =
  

Nutzerfreundliche Schreiben fürs Web

„Texten kann doch jeder.“ – Diese Aussage habe ich schon oft in meiner beruflichen Laufbahn gehört und in ihr steckt sicherlich ein Fünkchen Wahrheit. Texten kann jeder. Ob der- oder diejenige allerdings gut texten kann, ist nicht gesagt. Viele Menschen verlieren beim Schreiben schnell das Wesentliche aus den Augen: einen verständlichen und lesbaren Text für den Nutzer zu verfassen. Komplexe und hochtrabende Sätze sind keineswegs ein Indiz für einen guten Webtext, sondern allenfalls für Überheblichkeit, Unsicherheit oder Unverständnis. Doch was macht einen lesbaren Text eigentlich aus? Wie schreibe ich nutzerfreundlich?

 

Was bedeutet nutzerfreundlich Schreiben?

Ein guter Text ist kein Hexenwerk, bedarf jedoch einer ausführlichen Planung. Laut Jens Jacobsen und Lorena Meyer muss ein guter Text folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Leserlichkeit
  • Lesbarkeit
  • Verständlichkeit
  • Relevanz

Die Leserlichkeit bezieht sich auf die Schriftarten sowie Textformatierungen, während die Lesbarkeit mit der Satz- und Wortlänge, der Wortwahl und dem Schreibstil zusammenhängt. Die Verständlichkeit wiederum beschreibt den Inhalt des Textes. Kommt man zum Punkt, schweift man nicht unnötig ab und geht man auf wichtige Informationen ein? In diesem Kontext ist auch die Relevanz anzusiedeln. Behält man die Relevanz eines Textes im Blick, erreicht man automatisch mehr Verständlichkeit.

 

Obwohl alle vier Punkte bei der Gestaltung eines Textes eine Rolle spielen, gehe ich im Folgenden konkreter auf die Lesbarkeit ein. Sie macht einen nutzerfreundlichen Schreibstil zu dem was er ist und erleichtert Usern den Zugang zu den Webinhalten.

  Nutzerfreundlich Schreiben = lesbar Schreiben 


Der Vorteil eines nutzerfreundlichen Schreibstils

Die Vorteile eines nutzerfreundlichen/ lesbaren Schreibstils liegen klar auf der Hand. Der Content wird leichter zugänglich und die Nutzer sparen Zeit. Darüber hinaus werden die gewünschten Inhalte zielgerichtet transportiert und Nähe zum User hergestellt.


Kritiker mögen anmerken, dass ein einfacher Schreibstil nicht die nötige Kompetenz suggeriert. Diese Angst ist jedoch unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall. Bereits der ungarisch-amerikanische Journalist Joseph Pulitzer wusste: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ Und auch der Psychologe Daniel M. Oppenheimer meint: „Drücke dich so einfach und klar wie möglich aus. Dann hält man dich eher für intelligent.“ Letzterer hat seine Aussage sogar in einer Studie beweisen können. Durch die Gegenüberstellung verschiedener Sprachvarianten desselben Textes konnte der britische Forscher aufzeigen: Komplexe Formulierungen verringern die Lesbarkeit und die Akzeptanz. Zudem empfinden Leser die Autoren von zu komplexen Texten als weniger intelligent.

Wie schreibe ich nutzerfreundlich/ lesbar?

Um nutzerfreundlich beziehungsweise lesbar zu schreiben, sollte man sich an ein paar Grundregeln halten. Die erste wichtige Regel in diesem Zusammenhang lautet: Fasse dich kurz! Kurze Wörter, kurze Sätze und kurze Seiten mit gehaltvollem Inhalt sind angesagt. Hinterfrage daher jedes Wort, jeden Satz und jeden Absatz, um den User nicht mit unwichtigem Content zu langweilen. Außerdem gilt es folgende Aspekte zu berücksichtigen:



1. Satzbau

Da User Inhalte schnell erfassen und scannen möchten, solltest du beim Satzbau auf Einfachheit setzen.  Das heißt, vermeide passive Formulierungen, lange Schachtelsätze und überflüssige Nebeninformationen. Zudem ist es ratsam, nur einen Gedanken pro Satz aufzuführen.

 


2. Wortwahl

Die richtige Wortwahl für einen lesbaren Text ist abhängig von der Zielgruppe. Die richtige Tonalität spielt eine große Rolle und sollte dem Zielpublikum angemessen sein. Allerdings gilt es, nicht zu fachlich oder zu formell zu werden. Auf diese Weise baust du eher Distanz zum User auf. Auch zu negative Formulierungen solltest du nur spärlich einsetzen.



3. Satz- und Wortlänge

Allgemein bevorzugen wir im Internet kurze Sätze und prägnante Wörter. Allerdings ist ein Text mit ausschließlich kurzen Sätzen keinesfalls automatisch besser als ein Text mit langen Sätzen. Wie bei so vieles im Leben macht die Dosis das Gift. Trotz kurzer Sätze darf nicht das Niveau des Textes verloren gehen. Eine gute Mischung aus vernünftigen Haupt- und Nebensatzkonstruktionen sowie kurzen Aussagesätzen ist optimal und sorgt für einen angenehmen Lesefluss.

 


Miriam Löffler gibt in ihrem Buch „Think Content!“ den Hinweis, bei 15 bis 17 Wörter den Satz noch einmal zu überdenken. Gibt es unnötige Füllwörter? Lässt sich der Satz in zwei Sätze aufteilen? Habe ich zu viele Fakten in einen Satz gepackt?


Auch bei der Wortlänge empfiehlt Löffler ab 12 Zeichen eine Überprüfung, da längere Wörter den Lesefluss stören und das Scannen des Textes verhindern.  Kann ich das Wort auch anders schreiben? Kann ich das Wort durch einen Bindestrich trennen?

 



4. Schreibstil

Ein guter Schreibstil verbessert den Lesefluss und sorgt für eine leichte Informationsaufnahme. Doch was macht einen guten Schreibstil aus? Ist ein guter Schreibstil nicht subjektiv? An und für sich schon, allerdings gibt es einige Fehler, die in hohem Maße jeden „guten“ Schreibstil zunichtemachen. Dazu zählen Nominal- und Passivkonstruktionen. Durch Nominalkonstruktionen wirkt ein Text schnell hölzern und abgehakt, während passive Sätze Texte tendenziell verkomplizieren. Mit aktiven Satzkonstruktionen und bedeutungsstarken Verben hingegen, machst du einen Text lebendig und schneller lesbar.


5. Adjektive

Die Regel „Fasse dich kurz!“ sollte nicht zulasten der Bildhaftigkeit ausfallen. Adjektive sind wichtig, um einen Text greifbarer zu machen. Wir erinnern uns: „Schreibe bildhaft und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ (Joseph Pulitzer). Adjektive ermöglichen es zudem, eine emotionale Nähe zum User aufzubauen, was wiederum die User Experience erhöht. Allerdings müssen die Adjektive stimmig sein und nicht deplatziert wirken.

 

 

 



Füllwörter – Ja oder Nein?

In den Ratgebern zum nutzerfreundlichen Schreiben heißt es, man solle auf Füllwörter verzichten. Doch stimmt das wirklich? Gib es vielleicht auch Situationen, in denen Füllwörter vorteilhaft sind?


Füllwörter sind laut dem Duden Wörter mit geringer Aussagekraft (z. B. eigentlich, echt, besonders, bei weitem, endlich, einfach, genau, natürlich, sicher, ruhig, schon u.v.m.). Diese kleinen „Lückenfüller“ können einen Text unnötig in die Länge ziehen und die Lesbarkeit verringern. Darüber hinaus schwächen sie die Kernaussage des Textes. Allerdings wirkt ein Text ohne Füllwörter lieblos und abgehackt. Dementsprechend ist deren gezielte Verwendung nicht verkehrt, da Aussagen mit ihnen weicher und sympathischer wirken. Beim Korrekturlesen gilt es jedoch bewusst abzuwägen, ob das jeweilige Füllwort überflüssig ist oder nicht.

 

Meine Erfahrungen

Nutzerfreundliches Schreiben ist mir keinesfalls in die Wiege gelegt worden. Es war ein langer Lernprozess und hat mich extrem viel Nerven gekostet. Ich will gar nicht an meine ersten Texte zurückdenken, die voll mit Relativ- und Schachtelsätzen waren. Auch heute noch verwende ich hin und wieder zu viele Passivkonstruktionen und auch Füllwörter schleichen sich unbewusst in meine Texte. Es ist in der Tat gar nicht so einfach, alle Regeln zu berücksichtigen und gleichzeitig noch ungezwungen und authentisch zu schreiben. Allerdings versuche ich das Ganze mit Humor zu nehmen und mir regelmäßig vor Augen zu führen: Kein Text ist perfekt. Es hilf jedoch, sich bewusst zu machen, was einen nutzerfreundlichen Schreibstil ausmacht. Auf diese Weise kann man beim Korrekturlesen den eigenen Worten kritischer gegenüberstehen und den Text dem Nutzer zuliebe anpassen. 

 

Fazit

Nutzerfreundliches Schreiben ist nicht so einfach wie es auf den ersten Blick erscheint. Mit ein bisschen Übung und einem guten Gespür für die richtigen „Regeln“ wird es jedoch schnell besser und sowohl der Nutzer als auch der Autor profitieren davon.

 

Quellen:

 

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